Interview mit Nik Prana (Singer-/Songwriter mit ukrainischen Wurzeln)

Interview mit Nik Prana (Singer-/Songwriter mit ukrainischen Wurzeln)

Nik Prana (Photo from himself)
Nik Prana (Photo from himself)

Vor einigen Wochen fand im 8 Lights (Kaiserpassage 1, Karlsruhe) ein gemeinsames Konzert verschiedener ukrainischer Musiker statt. Interessant daran war, dass es – obwohl anscheinend gut besucht war – weitgehend unbeachtet blieb und einen Querschnitt durch eine Szene zeigte, der vielleicht bisher zu wenig Beachtung geschenkt wurde.

In Zusammenarbeit mit der Deutsch-Ukrainischen Verein in Karlsruhe konnten sich im Laufe des Abends einige MusikerInnen aus der Region präsentieren, die in ganz unterschiedlichen Genres unterwegs sind. 

Kein Name der Auftretenden war mir bisher bekannt, und auch die Sprache, die ich auf den Videos von dem Konzert sah, verstand ich nicht. Aber eine Szene, die lokal existiert und es schafft ein eigene Veranstaltung auf die Beine zu stellen, die gut besucht ist und gleichzeitig von den üblichen Veranstaltungskalendern nicht bekannt gemacht wurde, machte neugierig.

Ich nahm in den folgenden Tagen mit einigen der Aktiven über Social Media und persönlich Kontakt auf, um mir ein Bild zu verschaffen, um wen es sich handelte.

Nik Prana ist ein junger Singer-/Songwriter aus der Ukraine. Angelehnt an der amerikanischen Tradition des Folk und Country, kurz Americana genannt, tendiert er mittlerweile zu einer eigenen Art von Country Pop.

Er war einer der jungen Musikerinnen, die ich traf, um mich in einem kurzen Gespräch über die Szene und die musikalische Entwicklung zu unterhalten. Ich begegnete dabei einen ernsthaften jungen Mann, der sehr reflektiert die Optionen und die allgemeine Situation im Business betrachtet. 

In einem stark Anglo-amerikanischen Markt, der geprägt ist von einer westlichen Pop- und Rockkultur, finde ich es ausgesprochen interessant, wenn es junge Kreative wagen eine neue Klangfarbe mit ihrer Sprache einfließen zu lassen. 

An einem dieser bereits erstaunlich warmen Tage im Frühling 2026 trafen wir uns in der Karlsruher Innenstadt, um das folgende Gespräch zu führen.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Mir ist euer Konzert aufgefallen, weil dort mehrere Leute aufgetreten sind, von denen ich noch nie gehört hatte. Meine Website beschäftigt sich mit der Karlsruher Musikszene, und plötzlich habe ich gemerkt: Die ukrainische Community fehlt bei uns praktisch komplett. Deshalb wollte ich einfach mal nachfragen. Du bist Singer-Songwriter und singst auf Ukrainisch und Englisch?

Nik Prana

Ja, beides. Früher hauptsächlich auf Englisch, inzwischen aber zunehmend auf Ukrainisch. In den letzten Jahren habe ich die Musik etwas zurückgestellt, weil andere Dinge wichtiger waren. Ich habe mich beruflich weiterentwickelt und arbeite als Softwareentwickler. Ursprünglich bin ich allerdings Physiker.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das ist gar nicht so ungewöhnlich. Viele Physiker landen irgendwann in der Softwareentwicklung. Wie hat deine musikalische Entwicklung angefangen?

Nik Prana

Als Jugendlicher habe ich Hardrock und Metal gespielt. Ich war großer Metallica-Fan, hatte lange Haare und eine Explorer-Gitarre. Aber schon damals mochte ich auch ältere Bands wie Scorpions oder Deep Purple. Später habe ich gemerkt, dass ich eher ein ruhiger, sensibler Typ bin. Deshalb bin ich irgendwann bei akustischer Musik gelandet und habe die E-Gitarre praktisch komplett aufgegeben.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Und dann kamen die Singer-Songwriter?

Nik Prana

Genau. James Blunt war ein großes Vorbild, später auch Ed Sheeran. Heute höre ich vor allem Country-Pop. Besonders Brett Young hat mich beeinflusst. Über ein Cover seines Songs „In Case You Didn’t Know“ bin ich überhaupt erst auf ihn aufmerksam geworden. Seine Musik hat mich direkt angesprochen. Ich war inzwischen sogar mehrfach auf seinen Konzerten in Deutschland.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Country-Pop verbindet man hier nicht unbedingt mit ukrainischen Texten.

Nik Prana

Deshalb finde ich das ja spannend. Mein Umfeld besteht hauptsächlich aus ukrainischen oder russischsprachigen Menschen. Ich habe viele Jahre auf Englisch gesungen, aber irgendwann gemerkt, dass die Leute auf ukrainische Texte viel stärker reagieren. Außerdem ist Country-Pop auf Ukrainisch etwas eher Ungewöhnliches. Diese Nische gefällt mir.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du kommst ursprünglich aus Charkiw?

Nik Prana

Ja. Als ich dort aufgewachsen bin, wurde fast überall Russisch gesprochen. Ukrainisch konnte ich verstehen, aber Russisch war meine Alltagssprache. Heute hat sich vieles verändert, aber damals war das ganz normal.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das hat mir heute Morgen auch Kateryna Blokhina erzählt. Viele Menschen hier wissen gar nicht, wie verbreitet Russisch in Teilen der Ukraine früher war.

Nik Prana

Das stimmt. Für mich ist Ukrainisch beim Singen deshalb auch ein Stück weit eine bewusste Entscheidung.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Wann hast du angefangen, eigene Songs zu schreiben?

Nik Prana

Mein erstes komplettes Lied entstand vor über zehn Jahren. Das war eine sehr persönliche Geschichte. Vorher habe ich hauptsächlich Covers gespielt oder in Bands musiziert. Dieses erste Lied war das erste Mal, dass ich wirklich einen kompletten Song alleine geschrieben habe.

Danach habe ich zwar immer wieder Songs geschrieben, aber nicht besonders viele veröffentlicht. Inzwischen arbeite ich wieder regelmäßig daran. Gerade entstehen mehrere neue Stücke, darunter auch etwas schnellere Songs. Bisher war vieles eher ruhig und balladenhaft.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Wie bist du eigentlich in die ukrainische Musikszene in Karlsruhe gekommen?

Nik Prana

Über das ukrainische Kulturzentrum und über andere Musiker. Es gibt hier deutlich mehr ukrainische Künstler, als viele denken. Wir haben eine eigene Telegram-Gruppe mit Musikern aus Karlsruhe und Umgebung. Darüber entstehen viele Kontakte und auch Auftrittsmöglichkeiten.

Nach Beginn des Krieges sind die ukrainischen Kulturvereine deutlich gewachsen. Das Kulturzentrum in der Gellertstraße spielt dabei eine wichtige Rolle. Dort finden regelmäßig Veranstaltungen statt.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Dort habe ich auch schon Viktor Pashnyk mit seiner Bandura gesehen. Vorher wusste ich gar nicht, dass es diese Szene überhaupt gibt.

Nik Prana

Genau. Viele Veranstaltungen bleiben innerhalb der Community. Deshalb bekommen Außenstehende oft gar nichts davon mit.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Besteht dein Publikum überwiegend aus Menschen aus der Ukraine?

Nik Prana

Ja. Ein eigenes Publikum habe ich bisher noch nicht wirklich aufgebaut. Natürlich kommen gelegentlich Freunde oder Bekannte. Aber ich bin noch an dem Punkt, an dem ich mir überhaupt erst eine feste Zuhörerschaft aufbaue.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du hast aber Musik auf Spotify veröffentlicht?

Nik Prana

Ja, einige Songs aus den Jahren 2022 und 2023. Danach kam erst einmal nichts Neues. Jetzt möchte ich wieder aktiver werden.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Hast du eine Website?

Nik Prana

Im Moment nicht mehr. Die Domain ist irgendwann ausgelaufen. Derzeit nutze ich hauptsächlich Instagram und YouTube.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Eigentlich könntest du mit deiner Musik auch gut in kleineren Karlsruher Locations auftreten. KOHI, NUN oder ähnliche Orte.

Nik Prana

Solche kleinen Formate mag ich sehr. Für mich ist das Schönste, wenn die Leute wirklich zuhören. Große Veranstaltungen sind oft schwieriger, weil dort viel mehr Ablenkung herrscht.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das NUN wäre wahrscheinlich tatsächlich ein passender Ort. Dort hören die Leute sehr aufmerksam zu.

Nik Prana

Genau solche Konzerte mag ich. Wenn die Atmosphäre ruhig ist und die Menschen wegen der Musik da sind.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du hast zuletzt auch mit Bloshka & the Love Spirits zusammen auf der Bühne gestanden.

Nik Prana

Ja. Das war eigentlich spontan. Sie kannte einen Song aus meiner Setliste, und dann haben wir beschlossen, ihn gemeinsam zu spielen. Geprobt hatten wir vorher praktisch nicht.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Wie geht es jetzt weiter?

Nik Prana

Ich möchte neue Songs veröffentlichen und regelmäßiger Musik herausbringen. Früher habe ich relativ viel Geld in einzelne Produktionen investiert. Heute versuche ich, mehr selbst zu machen und dafür kontinuierlicher zu veröffentlichen.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Dann wird Social Media wahrscheinlich auch eine Rolle spielen.

Nik Prana

Natürlich. Aber ich glaube trotzdem, dass die Musik wichtiger bleibt als jede Marketingstrategie. Social Media kann helfen, aber schlechte Musik wird dadurch nicht gut.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Viele Musiker kämpfen trotzdem damit, sichtbar zu werden.

Nik Prana

Ja. Ich sehe das inzwischen aber relativ entspannt. Natürlich freue ich mich über Wachstum. Aber ich habe keine unrealistischen Erwartungen. Mir macht Musik Spaß. Das ist die Hauptsache.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Du hast vorhin etwas Interessantes über Fanbindung gesagt.

Nik Prana

Das habe ich von Damien gelernt. Es geht nicht nur um Streams oder Followerzahlen. Wichtiger sind die Menschen, die wirklich zuhören und einen unterstützen. Wenn jemand nach einem Konzert mit dir spricht oder einen Kommentar schreibt, solltest du darauf eingehen. Diese Beziehungen sind langfristig viel wertvoller als irgendwelche Zahlen.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Die Künstler, die im Kontakt bleiben, bauen oft die stärkste Verbindung zu ihrem Publikum auf.

Nik Prana

Genau.

Andreas Allgeyer (Jazznrhythm.com)

Letzte Frage: Wohin soll die Reise gehen?

Nik Prana

Ich möchte weiterhin Musik machen, auftreten und neue Songs veröffentlichen. Natürlich freue ich mich, wenn mehr Menschen zuhören. Aber für mich muss vor allem der Weg Spaß machen.

Der Weg ist das Ziel.

Wenn man nur auf Erfolg oder Zahlen schaut, wird Musik schnell anstrengend. Solange mir die Musik Freude macht, bin ich zufrieden.

Externe Links:

Nik Prana – You Tube – https://www.youtube.com/c/NikPrana

Nik Prana – Facebook – https://www.facebook.com/nikPrana/

Nik Prana – Instagram – https://www.instagram.com/nik_prana/

Nik Prana – Spotify – https://open.spotify.com/intl-de/artist/5PHGOOxOfIB8XFdatkT6BL

8 Lights – Instagram – https://www.instagram.com/8lights.space/

Deutsch – Ukrainischer Vereinhttps://ukrainer-in-karlsruhe.org

Bloshka & the Love Spiritshttps://www.instagram.com/bloshka_and_the_love_spirits/

Robert Carl Blank in der Kellerhalle am 06.06.2026

Robert Carl Blank in der Kellerhalle am 06.06.2026

Robert Carl Blank in der Kellerhalle, Karlsruhe am 06.06.2026
Robert Carl Blank in der Kellerhalle, Karlsruhe am 06.06.2026

Robert Carl Blank befindet sich momentan mitten in der Crowfunding-Aktion für sein neues Album. Also kein Wunder, dass er aktuell auf Tournee ist, sich in der Nähe aufhält und einige Bühnen bespielt.

Die Kellerhalle in der Oststadt ist der Geheimtipp unter den Geheimtipps. Nichts verrät ihr Vorhandensein. Kein Schild, kein Plakat, keine Webseite. Ein kleiner Raum, der irgendwo mitten in dem lebendigen Stadtteil, Platz für ca. 60-70 Eingeweihte bietet, und in unregelmäßigen Abständen für Events genutzt wird.

Die Historie bietet wohl einige Namen auf und reicht schon einige Jahre zurück, trotzdem ist das Understatement der Kellerhalle legendär. Im zweiten Hinterhof, untergebracht im Keller eines Gebäudes, das an die typischen Werkstätten aus dem späten 19- und frühen 20 Jahrhundert erinnert, wird die Kellerhalle, ausgestattet mit einem breiten Treppenabgang und großen Fenstern, von einigen Engagierten betrieben, die sichtlich Spaß an ihren Konzerten haben.

Die Ausstattung ist gemütlich, bestehend aus Sesseln, Sofas, Barhockern, auf der Bühne liegen Teppiche, man platziert sich um die MusikerInnen und der Erlös des Abends geht direkt an die Kreativen über eine Hutspende. Um 22:00 Uhr ist naturgemäß Schluss, weil der Rahmen eine Wohngegend bildet,und daher ist alles ein bißchen privater. 

Das jedoch macht den Charme der Location aus. Kinder scheinen nicht ungewöhnlich unter den Anwesenden zu sein. Man findet zusammen, trinkt ein Glas Wein, scherzt mit dem Künstler und verbringt einen launigen Abend unter Freunden. Die Kellerhalle hat einen sehr gemütlichen Charme, der besticht und einnimmt. Alles mit sehr viel Liebe fürs Detail und dem richtigen Händchen für zwei angenehme Stunden.

Robert Carl Blank in der Kellerhalle, Karlsruhe am 06.06.2026
Robert Carl Blank in der Kellerhalle, Karlsruhe am 06.06.2026

Robert Carl Blank ist ein Troubadour, ein lakonischer, kantiger Balladensänger, der schon einmal hier zu Gast war, aber mir das erste Mal vor einigen Monaten im Mikado begegnet ist. Seine Songs sind kleine poetische Erzählungen aus dem Alltag, den Begegnungen, aber auch tief empfundenen Roadtrips, die schon hinter ihm liegen, und in ihren Nachwirkungen immer noch vorhanden sind.

Er beherrschte die trockenen Ansagen, brachte Hamburg ein Stückchen, reagierte mit Humor auf Zwischenrufe und zog so einen kleinen, roten Faden durch seine Entwicklung. Stücke, die er einst in Englisch schrieb, präsentierte er nun auf Deutsch, denn es sind die Veränderungen, die eine Geschichte ausmachen.

Sein nächstes Album „Zugvögel“ ist sein zweites, komplett deutsches Album, das nahbarer, konkreter sein soll, in der Sprache verständlicher und griffiger. Verwurzelt im Americana, stark beeinflusst vom angloamerikanischen Folk und dem dortigen Verständnis des Songwriting, zeigte er sich als sehr eingängiger Interpret seiner Melodien und konnte sein Publikum zum Mitsingen aktivieren. Robert Carl Blank zeichnet vor allem eine prägnante Artikulierung, die Kunst der wenigen Worte und einer knarzigen Poesie aus, die oftmals einfach nur Bilder projiziert und zum Wiederhören einlädt.

Im Konzert ein melancholischer Entertainer, der mit leichten Popeinflüssen bewies, wie Lieder aus der Hand geschüttelt wirken können, aber dennoch in ihren Rundungen ein großes Können aufweisen.

Die Kellerhalle – mit Lichterketten atmosphärisch bestückt und begleitet von einer ruhigen, ausklingenden Stimmung – bot ihm eine sympathische, kleine Bühne dafür. 

Externe Links:

Robert Carl Blank – https://robertcarlblank.de/index.html

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026
Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Zum ersten Mal begegnete mir Tembeh auf dem Songslam im Karlsruher KOHI. Im Rahmen des kleinen Contest, der Nachwuchs-KünstlerInnen eine Möglichkeit bietet, sich einem Publikum vor zu stellen, nutzte die junge MusikerIn ihre Chance und präsentierte eine Auswahl ihrer eigenen Songs. 

Um vorzugreifen: Ja, sie hatte den kleinen Wettbewerb gewonnen, ebenso wie kurz darauf eine ähnliche Veranstaltung in Heidelberg. Interessant war also, wie würde sie einen ganzer Abend gestalten? 

Das sie mit kleinen Melodie und einem bewundernswerten Mut ihr Publikum für sich einnehmen konnte, hatte sie ja bewiesen. Im Rahmen ihrer Performance brachte sie die Anwesenden zum Mitsingen, Klatschen und Teilhaben. Sie tat das mit einem einnehmenden Charme, aber auch einem großen Verständnis für die Wirkung ihrer Musik.

Der +Punkt ist ein ökumenisches Zentrum im Herzen des Neuenheimer Feld in Heidelberg. Wer mit Heidelberg vertraut ist, weiß, das im Neuenheimer Feld, das Universitätsklinikum angesiedelt ist, ebenso wie Deutsche Krebsforschungs-Zentrum. 

Es damit eine ganz eigene Welt darstellt, die aus Studentwohnheimen, Schwesternhäuser und ähnlichen Einrichtungen besteht.

Inmitten dieses kleine Ortes, der auch Restaurants, Cafés und eine kleine Ladenkette beherbergt befindet sich, mit Nähe zum angrenzenden Neckar, der +Punkt im Erdgeschoss eines Wohnheims.

Der schlichte Raum, feierlich mit dekorativen Lampen und Blumen an den Mikrofonständern ausgestattet, diente Tembeh für die Vorstellung ihrer eigenen Stücke. Die Detailverliebtheit hinsichtlich der Konzeption, Abfolge und dem Design des kompletten Abends offenbarte, wie viel ihr diese Möglichkeit bedeutete. 

Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026
Tembeh im +Punkt in Heidelberg am 30.05.2026

Tembeh stammt aus Südafrika. In ihren Liedern, ihrer Ansprache und der hoffnungsvollen Lyrik, in die sie ihre Werke einbettete, nutzte sie die englische Sprache.

Sie flocht aber hin und wieder deutschsprachige Zeilen ein, die zur Verdeutlichung der Texte beitrugen. Damit ging sie einen außergewöhnlichen Weg, der jedoch gleichzeitig ihr tiefes Verständnis für die Klangfarbe und ihren Gesang aufzeigte. 

Tembeh zeichnet sich durch eine warme, ruhige Stimme aus, die  – nur begleitet von Gitarre, Klavier oder Harfe – eine prägnante  Wirkung erreicht. 

Getragen von einer positiven Ausstrahlung, die sie sowohl in ihrem Auftritt, wie auch in der handwerklichen Kunst der Kompositionen vermittelte, fiel es ihr leicht ihr Publikum auf eine Reise mitzunehmen. Es war schlicht fasziniert.

Der Wechsel zwischen verhaltenem, geradezu andächtigen Lauschen und einer Beteiligung an ihren Künsten – sei es Grollen oder Klatschen, das Klingeln mit bereit gelegten Glöckchen – man war nur zu bereit ihr zu folgen. 

In ihrer Performance vermittelte sie damit nicht nur eine Botschaft, die alle Menschen dazu aufrufen möchte, den Träumen und Möglichkeiten, die man hat, gewahr zu werden, sondern auch eine geruhsame Kraft, die ihrer Spielweise innewohnt. 

Tembeh ist eine jener Singer-/Songwriterinnen, bei denen man sehr schnell den Eindruck gewinnt,  es gibt tief in ihr eine Harmonie und einen Einklang mit sich und ihrem Können. 

Es sind die richtigen Griffe, die richtigen Tasten, und dennoch ist es die Unaufgeregtheit und ihr Wesen, dass aus dem Abend etwas besonderes formt. Da bleibt – zu guter Letzt –  der Eindruck, da kommt noch sehr viel, da ist eine Menge Potential. 

Denn allein in einem Raum, der schlicht und spartanisch daherkam, formte sie nur mit karger Instrumentierung einen feierlichen Moment. 

Und natürlich führte das zu Standing Ovations und zwei Zugaben. 

Externe Links:

Tembeh – https://tembeh.world

+Punkt – https://pluspunkt-hd.de

Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026

Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026

Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026
Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026

Die Hemingway Lounge gehört schon zu den legendären Orten unter den Jazzfans der Region. Emsig bemüht sich die kleine Location immer wieder namhafte Künstler für die abendlichen Auftritte zu gewinnen, aber öffnet auch Samstagmorgens um 11:30 Uhr schon die Türen für Experimente, Nachwuchskünstler und Hoffnungsträger.

Hierbei handelt es sich dann um sogenannte Hutkonzerte. Der Eintritt ist frei, der Hut, in dem man je nach Gefallen und finanzieller Lage etwas hinterlassen darf, steht am Ausgang beim Verlassen des Lokals und dient als Spendentopf und Honorierung der Band. 

Als Nachwuchs möchte man Miri in the Green nicht mehr bezeichnen, dafür sind sie zu aktiv und mit MusikerInnen besetzt, die schon in länger und in anderen Bands unterwegs waren. Dennoch gastierte die Band um Miriam Kühnel (Miri) zum ersten Mal in der Hemingway Lounge

Von eigentlich sechs Mitglieder traten fünf auf, brachten eine Vielzahl an Instrumente mit und damit die kleine Bühne an den Rand der Möglichkeiten. Mit Herbie Erb an der Gitarre, Jürgen Zimmermann am Bass, Regina Fischer am Saxofon und H.T. Rothermel am Schlagzeug, sowie Miriam am Akkordeon, der Autoharp, sowie am Keyboard, präsentierten sie sich in aller Vielseitigkeit, aber bewiesen auch flexibel, dass der engste Raum kein Hindernis sein muss.

Beheimatet im französischen Chanson fließen in die Kompositionen die unterschiedlichsten Elemente ein. So wie sie –  je nach Thematik und dazugehöriger Geschichte – gerne die Sprache in ihren Stücken wechseln, so führt ihre Experimentierfreude in den Swing, greifen sie sich eine Melodie aus der reichen amerikanischen Roots-Musik und lassen den europäischen Folk anklingen, aber beweisen vor allem und immer wieder eine bestechende Eingängigkeit. 

Stilistisch daher schwer einzukreisen, ist sicherlich die Nähe zu Frankreich die vorherrschende Färbung in dem vorgestellten Liedgut. Und damit eine verführerische Leichtigkeit. Ein Stil, der auch wunderbar zu ihren nächsten Konzerten in Jockgrim passt, wo die pfälzische Toskana bereits beginnt, der Sommer weinselig ist, und die Abende lau. 

In der Hemingway Lounge, wo man sich nach dem Marktgang nieder lässt, ein leicht mediterranes Lebensgefühl vom Gutenbergplatz mitbringt, und vor allem auf ein geniessendes Publikum trifft, bewiesen Miri in the Green, dass sie eine gute Wahl waren. 

Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026
Miri in the Green in der Hemingway Lounge, am 30.05.2026

Ergänzten somit den frühen Sekt, liessen sich zu einem ausklingenden Frühstück oder einem nahen Mittag geniessen. Leiteten den Tag also genau in die richtige Stimmung ein.

Die Mischung machte es. Seien es das Kontrabass, die vorgestellte Autoharp, oder das Spiel des Gitarristen – Miri in the Green bringen viele Einflüsse und Wurzeln mit. Material genug für ein abwechslungsreiches Konzert, das zum Mitschleppen einlädt, aber auch zum Tanz auffordert. 

Wiedersehen möchte man sie abends.  Auch wenn nichts dagegen spricht, mit ihnen den Tag zu eröffnen, aber es ist leicht vorstellbar, wie sie ihr Publikum zur nächtlichen Stunde mitreißen. 

Mehr als nur eine Ahnung davon war spür- und erlebbar. Für ein Matinee-Konzert war es voll – für einen dieser warmen Frühlingstage sowieso erstaunlich – und damit zeichnet sich schon eine Wiederholung ab. Und diese ist sicherlich nicht bloß ein Geheimtipp.

Externe Links:

Miri in the Green – https://www.miriinthegreen.de

Hemingway Lounge – https://www.hemingwaylounge.de